Sendung "Grenzenlos"

Ausgabe 31. Juli 2010
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Kap Kaliakra

Jede Ausgabe der Zeitschrift "Bulgaren in Österreich" bietet vielfälltige Themen aus der Kulturleben, Interviews mit talentierten Bulgaren, Künstler, Dozenten, Forscher, stellt verschiedene Projekte vor, ermöglicht dem Leser sogar Wissenswertes aus den Finanzen- und Gesetz-Bereichen zu ergatten. Die Rubrik "Das unbekannte Bulgarien" erzählt über geheimnisvolle Städte und Sehenswürdigkeiten, die Symbole der bulgarischen Kultur und Geschichte darstellen.

Jetzt biete ich Ihnen einen interessanten Artikel aus der Zeitschrift "Bulgaren in Österreich" an: über das Kap Kaliakra. Sie könnten sich selbst überzeugen wie beredsam die Publikationen sind. Autor des Artikels ist Julia Kovachev. Die aktuelle Ausgabe versschafft einen Einblick in die Sozialhilfe für Familien in Österreich, Elitza Zenova spricht mit Dozent Dr. Velizar Sadovski, er unterrichtet Indoeuropäistik, historische Linguistik und Sanskrit und bietet Lernkurse für bulgarische Sprache, altbulgarisch und altiranisch an der Wiener Universität. Dr. Savovski ist Stellvertretender Leiter und Mitgründer des Instuts für Iranistik an der österreichischen Akademie der Wissenschaften. Und etwas ganz Interessantes sind die Erzählungen Teil 2 einem Neubulgare in Bulgarien: Christina Oppermann-Dimow lernt in kleinen Schritten die bulgarische Welt kennen, indem sie ihren eigenen Stammwurzeln folgt. Wir freuen uns wieder auf Neuigkeiten aus Österreich im August!

Begrüßungsbrief vom Minister ohne Geschäftsbereich

Anlässlich des Tages der slavischen Schrift und Kultur bekamen die bulgarischen Emigranten einen offiziellen Empfang von ihrem Staat. Diese wurde vom Minister ohne Geschäftsbereich unterschrieben. Es wurden tolle Wünsche geäußert, leider haben sich im Brief auch einige grammatikalische und syntaktische Fehler versteckt. Vier Sorten von Fehlern habe ich in dieser Begrüßung entdeckt, wobei der eine Fehler drei Mal vorkommt. Unter dem Strich sind es dann sechs Fehler und die Unterschrift des Ministers.

Dieser Minister hat früher für die Staatssicherheit gearbeitet und ist zuständig für die Religionen und die Bulgaren im Ausland.

Für die Betreuung der Bulgaren im Ausland ist auch die Agentur für Bulgaren im Ausland zuständig. Also, der Minister-Analphabet und die Chefin dieser Agentur kümmern sich um die unterschiedlichen Belange der Emigranten.

Die Chefin der Agentur für Emigranten heißt Raina Mandzukova. Sie wurde am 26.05.2010 entlassen. Die Begründung der Regierung -- sie sei nicht loyal bzw. treu zu der Regierung. Eine weitere offizielle Stellungnahme gab es nicht.

Der Anlass war ihre Aussage, dass die Agentur nicht ihr Bestes tun kann, denn es fehle Koordination zwischen den Staatsorganen. Es hat nur drei Tage bis ihrer Entlassung gedauert.

Ich hatte mit Frau Mandzukova nichts zu tun. Doch über sie habe ich von meinen Kollegen nur positive Rückmeldung bekommen. Nach der Entlastung wurden in den bulgarischen Medien nur gute Worte über Frau Mandzukova gesagt, wie toll sie gearbeitet hat, wie viel Kraft sie in die Agentur gesteckt hat, und, und, und... Negative Kritik über Sie ist nicht zu finden. Und doch wurde Sie entlastet.

Nachdem wir in der letzten Sendung über die Freiheit der Medien in Bulgarien gesprochen haben, analysieren wir heute die Meinungsfreiheit der Agenturleiter. Formal gesehen, werden diese von der Regierung bestellt und koordiniert. Formal gesehen ist der Agenturleiter Organ der Staatsgewalt. Über seine Entlastung finde ich keine Regelung.

Die Medien, welche über das Problem berichtet haben, und ich schliesse mich hier an, sind der Ansicht, dass der Leiter der Agentur der Bulgaren im Ausland frei ist zu sagen, was er über seine Arbeit denkt.

Der bulgarische Wein

Etwa 60% der Deutschen trinken Alkohol. Umgerechnet auf die Bevölkerung ergibt das ungefähr 49,2 Mio. Davon genießen ca. 40% mehrmals im Monat Wein. Ein fünftel der Genießer, oder grob ausgerechnet 4 Mio., ziehen ausschließlich einen Wein aus ausländischen Anbaugebieten bevor. Dabei achtet jeder Zweite beim Kauf auf die Marke. Das heißt, dass für die andere Hälfte eher der Preis maßgebend ist. Dadurch verringert sich die durchschnittliche Anzahl der Nachfrager, die ausländische Weine trinken würden, auf 2 Mio. Laut Weltkonjunkturbericht der Internationalen Organisation der Winzer und des Weines OIV (Organisation Internationale de la Vigne et du Vin) beträgt der weltweite Marktanteil von der Region Mittel-Ost-Europa - „Bulgarien-Ungarn-Rumänien“ – 2%. Im Durchschnitt bleiben für Bulgarien 0,66%, das bedeutet im Jahr maximal 50 000 Ziehungen aus dem Regal einer Weinflasche mit Herkunft Bulgarien. Das hätte ich mir nie vorstellen können.

Deutlich beobachtbar ist, dass deutsche Winzer von 1981 bis heute konstante Produktion aufweisen, wobei der Marktanteil von Spanien, Italien und Frankreich abnimmt. Das lässt sich laut Nachfrager-Angaben erklären durch die verschlechterte Qualität und gestiegene Produktions- und Spedition-kosten. Dafür ist das Interesse an Weinen aus Südamerika und Ozeanien gewachsen, die für die deutschen Weinschmecker auch „exotisch“ erscheinen. Deswegen ergibt sich für den bulgarischen Weinanbau, dass bei dem entsprechenden und für Weinproduktion veranlagten Klima Bulgariens, eine Qualität garantiert wird und die Lieferkosten jedoch nicht so hoch sind, wie bei dem transkontinentalen Weintransport. Das gilt in heutiger Zeit, aber Bulgarien unternimmt eigentlich schon seit dem Jahr 1970 erfolgreich Wein-Exporte. Das ist mit Hilfe von der weltberühmten Wine-Departement an der kalifornischen Universität Deyvis in der USA zustande gekommen. Typisch bulgarische Weintrauben sind Gumsa, Mavrud, Melnik, weißer Misket und Dimiyat. Erweitert werden die Rebsorten noch mit dem georgischen Weiß-Rkaziteli und mit den deutsch-französischen Merlot, Cabarnet Sauvignon und Chardonnay.

Eine Kategorisierung in 3 Stufen der bulgarischen Weinen wurde im Jahr 1970 gesetzlich vorgeschrieben. Die erste davon ist „STANDART“, hier werden grundsätzlich Tafelweine mit weichem Geschmack eingestuft. Zweite Gruppe sind Qualitätsweine. Diese werden in allen 43 geografischen Regionen hergestellt. Diese Kategorie haltet man als die wichtigste und global am meisten wettbewerbsfähige Produktion. Die höchste Kategorie sind die Spezialweine. Diese zeichnen sich mit Spitzenqualität aus und mit typisch hoch-fruchtigem Geschmack und Edelaroma. Die Gruppe der Qualitätsweinen teilt sich weiter in 2 Unterkategorien ein: Denominazione Geografica Origina und Denominazione Geografica Controlata. Auf Deutsch gesagt mit Deklariertem Geografischen Ursprung und mit Kontrolliertem Geografischen Ursprung. Der deklarierte geografische Ursprung garantiert die Abstammregion des Weingutes. Die Bezeichnung dafür ist DGO und muss nicht auf der Etikette stehen, sondern wird in den Namen des Weines erwähnt, als Beispiel Russe Riesling. Der kontrollierte Ursprung ist eine höhere Kategorie als die DGO-Gruppe. Sie ist äquivalent der französischen Stufe AC. Bezeichnung hierfür ist DGC oder nur Controliran und muss unbedingt auf der Etikette abgebildet sein, zum Beispiel Assenovgrad Mavrud Controliran. 27 Weine gehören zu dieser Gruppe, es handelt sich immer um eine bestimmte Rebsorte und Ursprung. Um Controliran zu heißen, unterliegt der Wein einer Expertendegustierung. Es können auch andere Bezeichnungen in den Namen des Weines auftreten, zum Beispiel RESERVA oder LANDWEIN.

Reserva garantiert die Barrique-Ablagerung bestimmter Zeit. Minimal 2 Jahre für die Weißweine und 3 Jahre für die Rotweine beträgt die Ruhezeit in Holzfässern. Somit wird als Erstes besserer Fruchtabgang erreicht und noch eine leichte Holzaroma. Die Landweine sind Regionale Weine, die allerdings Mischungen aus mehreren Rebsorten sind, diese werden noch jung und nicht abgelagert angeboten. Typische Landweine sind Pinot Noir oder Sliven Merlot. Äquivalente Kategorie stellt die französische „Vins de Pays“ dar. Bulgarien hat mehr als 80 industrielle Weinkellereien, die z.Z. eine Produktion an Weingut zwischen 1.000 und 60.000 Tonnen haben. Die Weinbaufläche beträgt über 97.000 ha. Die gewachsene Hauptvielzahl ist Cabernet-Sauvignon (14%), Rkatzeteli (14%), Merlot (12%), Pimid (11%), rotes Misket (8%), Dimyat (6.5%), Muskat Ottenel (6%), Chardonnay (2.7%), Gamza (1.6%), Riesling (1.3%), ausgedehnte Rebe von Melnik (1%), Sauvignon Blanc und Traminer (1%). Weinindustrie Bulgariens beträgt z.Z. 30% von gesamten Bauernhofexporten zum europäischen Anschluss. Bulgarische Weine werden in Großbritannien, in Irland, in Deutschland, in den Niederlanden, in den USA, in Japan, in Polen und in den ehemaligen sowjetischen Republiken verkauft. Der größte Markt ist Großbritannien, das 25% von Exporten beträgt.

Bulgarien lässt sich aufgrund der klimatischen Bedingungen und der angebauten Rebsorten in fünf Weinbauregionen unterteilen:

  • Die Region Donauebene im Norden Bulgariens. Sie erstreckt sich über die mittleren und westlichen Teile der Walachischen Tiefebene, das Südufer der Donau und die angrenzenden Gebiete. Diese Region zeichnet sich durch ihr gemäßigtes kontinentales Klima mit heißen Sommern und vielen Sonnenstunden aus. Es werden hauptsächlich Muskat-Ottonel, Cabernet Sauvignon, Merlot, Chardonnay, Aligoté, Pamid und Gamza angebaut. Berühmte Weinkellereien sind Pavlikeni, Suhindol, Svishtov und Russe.
  • Die Schwarzmeerregion im Osten Bulgariens. Die Schwarzmeerregion zeichnet sich durch einen langen und milden Herbst aus. Dies sind hervorragende Bedingungen für die Zuckerbildung, was insbesondere den Weißweinen aus der Region zugute kommt. In der Schwarzmeerregion finden sich insbesondere Dimyat, Riesling, Muscat Ottonel, Ugni blanc, Sauvignon blanc, Cabernet Sauvignon, Chardonnay und Gewürztraminer. Bourgas, Pomorie, Targovishte und Preslav sind wissenswerte Weinkellereien.
  • Das Rosental in Zentral-Bulgarien. Das Rosental liegt südlich des Balkangebirges. In dieser Region dominieren Muskateller, Riesling, Rkatsiteli, Cabernet Sauvignon, Misket und Merlot. Die größten Weinkellereien hier sind Sliven und Slaviantzi.
  • Die Oberthrakische Tiefebene im Süden Bulgariens. In dieser Region herrscht ein gemäßigtes kontinentales Klima mit einer gleichmäßigen Verteilung der Niederschläge über die gesamte Wachstumsperiode. Hier wird Mavrud, Merlot, Cabernet Sauvignon, Muskateller and Pamid angebaut. Berühmte Weinkellereien sind Stara Zagora, Jambol, Assenovgrad, Haskovo, Perushtizta und Liyubimetz.
  • Das Struma-Tal im Südwesten. In diesem Gebiet herrschen nahezu mediterrane klimatische Bedingungen. Die angebauten Rebsorten sind: Cabernet Sauvignon, Merlot und die regionale Melnik. Größtes Weinanbau ist hier von Damiyanitza.
  • Der kurze Überblick in der Welt des Weines in Bulgarien ist zu Ende. Einen schönen sonnigen Nachmittag wünsche ich, Martina Stancheva.