Ausgabe
31. Mai 2008 (55 Mb)
Sind die Absolventen bereit nach dem Studium in Bulgarien zu arbeiten? Einige Studenten aus Mannheim machen eine Umfrage darüber. Die Idee wird von Kiril Radev vorgestellt.
Im Saarland sind die Jugendzentren und Jugendtreffs zu einem festen Bestandteil der Kultur geworden. Nicht überall ist das der Fall ist. Schon allein die oft zärtliche Kurzform „Juz“ ist für Leute aus anderen Gegenden unverständlich. Und dann Jugendzentrum... das hat doch schon so einen Hauch von Kleinstadtgangster. Dabei ist die über zwanzig Jährige Erfolgsgeschichte der Jugendzentren im Saarland auch mit der Situation in dem kleinen Bundesland zu erklären: In vielen, besonders eher ländlich geprägten Gegenden gibt es für Jugendliche oft wenig Angebote. Besonders wenn man noch keinen Führerschein hat und auf die öffentlichen Verkehrsmittel und auf Eltern angewiesen ist, die einen hin und her kutschieren, ist das sehr frustierend.
Jugendzentren oder Jugendtreffs werden von Jugendliche selbst gestaltet. Hier können sie unter sich sein, sich ungezwungen treffen, laut sein, Musik hören oder den Traum von der eigenen Heavy Metal Band in die Wirklichkeit umsetzen. Hier stehen Jugendliche selbst hinter der Theke und achten darauf, dass der Jugendschutz eingehalten wird. Sie bestimmen die Preise für Getränke und auch, dass man gar nichts konsumieren muss, das man auch die eigene Cola mitbringen darf. Dass das möglich ist, ist Juz-United zu verdanken. Der Dachverband der saarländischen Jugendzentren in Selbstverwaltung e. V. ist einzigartig in Deutschland. So einzigartig, dass er 2003 mit dem bundesdeutschen Heinz Westphal Preis von der Bundesregierung ausgezeichnet wurde. Die Jury sprach sich dabei vor allem für die Struktur aus, dass hier Ehrenamtliche von Juz United die Ehrenamtlichen in den „Juzen“ unterstützen.
Jugendliche, oder jungen Erwachsene, die selbst oft jahrelang in den 120 Jugendtreffs und Zentren engagiert haben, kennen natürlich die Probleme, die es gibt:
Ärger mit den Nachbarn, konkurrierende Gruppen von Jugendlichen in den Juzen, Schwierigkeiten mit Lokalpolitikern, von denen oft das Wohl eines Jugendzentrums abhängt. Die Ehrenämtler von Juz united helfen auch bei der Bewältigung von Bürokratie. Rechnungen bezahlen, Verträge mit Bands aushandeln, das sind eben die Aufgaben, die Jugendliche in der Selbstverwaltung leisten müssen.
Die Gründung des Jugendtreffs als gemeinnütziger Verein hilft in der Öffentlichkeit anerkannt und geachtet zu werden, deshalb ist er die häufigste Rechtsform in den Jugendtreffs und Jugendzentren.
Dazu müssen sich mindestens sieben Personen zu einer Gründungsversammlung treffen. Auf dieser Gründungsversammlung muss eine Satzung beschlossen werden. Es müssen die Organe des Vereins nach den Vorschriften der eben beschlossenen Satzung gewählt werden.
Außerdem muss ein Protokoll geschrieben und vom gewählten Versammlungsleiter und dem Protokollführer unterschrieben werden. Hat man dieses Teil erst mal hinter sich gebracht, müssen Anträge und Konzepte zur Finanzierung des Jugendtreffs ausgearbeitet werden. Denn oftmals gibt es Gelder von der Stadt, vom Land oder man kann zu bestimmten Anlässen Sponsoren finden.
Aber das ist nur eine Seite. Juz United sorgt auch dafür, dass Freizeit sinnvoll gestaltet werden kann. Vom Filmworkshop bis zum Erlernen von Diggeridos, vom legalen Graffitysprayen bis zur Wochenendfreizeit und der Ausbildung zum Jugendleiter, von politischen aktuellen Themen bis zur Organisation eigener Konzerte: Die Hauptamtlichen, vier ausgebildete Sozialpädagogen und eine Erzieherin, sowie erfahrene Ehrenämtler, liefern die technischen Basics und stellen das Material bereit.
Was vor zwanzig Jahren alles sehr politisch motiviert begann, hat heute einen viel breiteren Gesellschaftscharakter. So hat die Jugendzentrumsbewegung überlebt und so sind im Saarland die Jugendtreffs zu einem festen Bestandteil der Jugendkultur geworden, was wie es Saarländer fernab der Heimat immer wieder erstaunt, nicht überall der Fall ist.
Nun geht juz united auch neue Wege: Das jüngste Projekt der Jugendzentren ist das eigene Videoportal: www.saarclip.de. Eine Seite, die ähnlich wie youtube funktioniert. Hier können Jugendliche die in den Juzen produzierten Videos einstellen. Überraschend kreativ geht man dabei mit Alltagsthemen um: Neu als ausländischer Jugendlicher im Juz oder Warum Kiffen langweilig macht. Mit der Magazinsendung „fresh TV“ ist die Vernetzung der Juze perfekt, und so können auch die, die mittlerweile woanders studieren oder arbeiten dran bleiben an der saarländischen Szene: Was machen die regionalen Bands, wie sehen aktuelle Themen im Saarland aus?
Dabei schneidet das Macher-Team auch Themen an, die im Alltag zwar präsent aber leider nicht immer genug in den Medien sind. Alltagsrassismus, Diskriminierung und Toleranz werden als Edutainment vermittelt. Edutainment setzt sich aus Education und Entertainment zusammen und bedeutet: Werte vermitteln, aber dabei auch zu zeigen, dass es Spaß macht und attraktiv ist sich zu engagieren. Auch hier setzen sich die Macher aus Jugendlichen und Profis zusammen.
Werte vermitteln, aber dabei auch zu zeigen, dass es Spaß macht und attraktiv ist sich zu engagieren. Das könnte eigentlich auch der Slogan der saarländischen Juze sein: Engagiert Euch und habt Spaß dabei so wie wir!
Catharina Becker, 1. Vorsitzende von juz-united.